Auf 100 gemeldete Stellen für examinierte Pflegefachkräfte kamen im Jahresdurchschnitt 2025 nur 57 Arbeitslose. Auf Fachkraftebene können Sie eine Kündigung rechnerisch nicht durch Nachbesetzen auffangen.
Bei Pflegeassistenzkräften waren es 223 Arbeitslose je 100 gemeldete Stellen, bei Helfern ohne einschlägige Ausbildung 2.131. Der Engpass sitzt also genau dort, wo er am meisten weh tut.
Damit verschiebt sich die Rechnung. Jede Kündigung kostet doppelt, einmal das Wissen, das geht, und einmal Zeit und Geld für eine Nachbesetzung in einem Markt, der kaum Bewerber hergibt.
Bindung ist der günstigere Hebel, und sie ist planbar. Dieser Beitrag zeigt, warum in der Pflege gekündigt wird, was in der Praxis hilft und womit Sie diese Woche anfangen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Warum gekündigt wird: selten wegen des Gehalts allein, viel öfter wegen Überlastung, unzuverlässiger Dienstpläne und fehlender Wertschätzung.
- Die stärksten Hebel: verlässliche Dienstpläne, echte Mitsprache, Entwicklungsperspektiven und eine gute Einarbeitung.
- Der Einstieg: ehrliche Bestandsaufnahme im Team, dann zwei bis drei schnell spürbare Verbesserungen umsetzen.
- Die Zahl, die den Druck erklärt: auf 100 gemeldete Stellen für examinierte Pflegefachkräfte kamen im Jahresdurchschnitt 2025 nur 57 Arbeitslose. Wer geht, ist schwer zu ersetzen.
Warum Mitarbeitende gehen
Die wenigsten kündigen wegen des Gehalts allein. Viel häufiger sind es dieselben Muster:
- dauerhafte Überlastung und ständiges Einspringen
- unzuverlässige Dienstpläne, die kein Privatleben zulassen
- fehlende Wertschätzung und kaum Rückmeldung
- keine Perspektive, sich weiterzuentwickeln
- Führung, die nicht zuhört
Was die Zahlen dazu hergeben
Der Arbeitsmarkt gibt Ihnen kaum Puffer, aber nicht auf jeder Ebene gleich viel. Auf Helferebene ist Nachbesetzen realistisch, auf Fachkraftebene rechnerisch nicht.
Zum Stichtag 30. Juni 2025 waren rund 1,8 Millionen Pflegekräfte sozialversicherungspflichtig beschäftigt, das entspricht rund 1,3 Millionen Vollzeitäquivalenten (Arbeitszeit einer Vollzeitstelle als Rechengröße). Die Lücke zwischen beiden Zahlen ist Teilzeit, und genau dort liegt Ihr größter ungenutzter Hebel.
Bericht der Bundesagentur für Arbeit vom Mai 2026, Berichtszeitraum Jahresdurchschnitt 2025. Beschäftigtenzahl zum Stichtag 30. Juni 2025.
Dazu passt die Befragung „Ich pflege wieder, wenn …“. Von den befragten Ausgestiegenen erklärten sich gut 60 Prozent zur Rückkehr bereit, im Schnitt mit 30 Wochenstunden. Knapp 50 Prozent der befragten Teilzeitkräfte würden aufstocken, im Mittel um 10 Wochenstunden.
Wichtig zur Einordnung, weil die Studie oft falsch zitiert wird: Es ist keine repräsentative Stichprobe, sondern eine Selbstselektion. Die Anteilswerte gelten für die Befragten, nicht für die Pflege insgesamt.
Auch die daraus abgeleiteten 300.000 bis 660.000 zusätzlichen Vollzeitäquivalente sind eine Modellrechnung der Autoren, kein gemessener Wert.
Befragung „Ich pflege wieder, wenn …“ von Arbeitnehmerkammer Bremen, Arbeitskammer des Saarlandes und Institut Arbeit und Technik, gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung. Erhoben im Herbst 2021, veröffentlicht im Mai 2022, 12.684 Teilnehmende, rund ein Viertel davon Ausgestiegene, rund drei Viertel Teilzeitkräfte.
Der für die Praxis wichtigste Befund ist die Rangfolge: An erster Stelle steht eine bedarfsgerechte Personalbesetzung, erst danach kommt die Bezahlung, dann Wertschätzung, verbindliche Dienstpläne und eine vereinfachte Dokumentation. Wer also mit einer Gehaltserhöhung anfängt, während die Besetzung dünn bleibt, setzt am zweiten Hebel an und lässt den ersten liegen.
Was Mitarbeitende wirklich hält
Bindung entsteht nicht durch einzelne Aktionen, sondern durch einen Alltag, in dem sich Menschen ernst genommen fühlen. Besonders wirksam sind:
- Verlässliche Dienstpläne, kurzfristige Änderungen als Ausnahme, nicht als Regel
- Echte Mitsprache bei Abläufen und Entscheidungen
- Entwicklung durch Fort- und Weiterbildung mit klarer Perspektive
- Eine gute Einarbeitung, die neue Kolleginnen und Kollegen nicht allein lässt
- Spürbare Wertschätzung im täglichen Miteinander
Erste Schritte für Ihre Einrichtung
Fangen Sie dort an, wo der Druck am größten ist. Oft hilft schon eine ehrliche Bestandsaufnahme: Fragen Sie Ihr Team, was den Alltag erschwert, und nehmen Sie zwei oder drei Punkte in Angriff, die schnell spürbar sind. Stabile Dienstpläne und eine verlässliche Einarbeitung sind meist die größten Hebel.
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Mehr zum PersonalmanagementQuellen und Stand
Zuletzt geprüft am 4. August 2026. Aktuelle Vakanzzeiten finden Sie im Beitrag Stellenanzeigen in der Pflege.
Quellen anzeigen
- Studie „Ich pflege wieder, wenn …“ (Arbeitnehmerkammer Bremen, Arbeitskammer des Saarlandes, Institut Arbeit und Technik, gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung), Erhebung Herbst 2021, veröffentlicht Mai 2022, 12.684 Befragte, nicht repräsentative Selbstselektionsstichprobe
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Blickpunkt Arbeitsmarkt, Arbeitsmarktsituation in Pflegeberufen, Mai 2026, Berichtszeitraum Jahresdurchschnitt 2025, Beschäftigtenstichtag 30. Juni 2025 (Relation Arbeitslose je 100 gemeldete Stellen: Abbildung 8, Seite 19)