Ratgeber · Expertenstandards

Expertenstandard Hautintegrität: Was der 13. DNQP-Standard für Ihre Einrichtung bedeutet

Mit dem Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege" hat das DNQP im Juni 2023 seinen 13. Expertenstandard veröffentlicht. Er ist damit der jüngste Standard im Katalog und rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das in vielen Einrichtungen bislang nebenbei lief: die systematische Hautpflege als eigenständige pflegerische Aufgabe. Für MD-Prüfung und internes Qualitätsmanagement ist er längst relevant, denn Expertenstandards gelten als vorweggenommene Sachverständigengutachten zum Stand der Pflegewissenschaft.

Dieser Überblick zeigt, was der Standard umfasst, was er von Ihrer Einrichtung verlangt und wo in der Praxis die häufigsten Lücken liegen.

Was ist neu an diesem Standard?

Anders als die themenspezifischen Standards zu Dekubitus oder chronischen Wunden bündelt der Hautintegritätsstandard gleich fünf hautbezogene Risiken und Probleme in einem Dokument:

  • Xerosis cutis, also trockene Haut, im höheren Alter mit Studienwerten von über 50 Prozent das mit Abstand häufigste Hautproblem
  • Inkontinenzassoziierte Dermatitis (IAD), die Hautschädigung durch anhaltenden Kontakt mit Urin oder Stuhl
  • Windeldermatitis
  • Intertrigo, die entzündete Haut in Hautfalten
  • Skin Tears, Hauteinrisse der fragilen Altershaut, etwa beim Transfer

Der Standard ist als Präventionsstandard angelegt. Sein Leitprinzip heißt „Look, then touch": erst die Haut gezielt inspizieren, dann pflegen. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Dr. Jan Kottner (Charité Berlin), vor der Veröffentlichung wurde der Standard in 27 Einrichtungen aus Klinik, stationärer und ambulanter Langzeitpflege praktisch erprobt.

Was verlangt der Standard von Ihrer Einrichtung?

Wie jeder Expertenstandard beschreibt er ein Qualitätsniveau, das Ihre Einrichtung in eigene Abläufe übersetzen muss. Konkret heißt das:

  • Screening und Einschätzung: Bei jedem Menschen mit Pflegebedarf wird der Hautzustand systematisch eingeschätzt, nicht nur bei sichtbaren Problemen.
  • Verfahrensregelung: Die Einrichtung legt schriftlich fest, wie Hautinspektion, Hautreinigung und Hautpflege ablaufen und welche Produkte wofür eingesetzt werden.
  • Hautschonende Pflege: pH-hautneutrale Reinigung, die den Säureschutzmantel der Haut (etwa pH 5,5) respektiert, und rückfettende Pflegeprodukte, die auf der Haut verbleiben.
  • Schulung: Das Team kennt die fünf Problemfelder, kann sie unterscheiden und weiß, welche Maßnahmen jeweils greifen.
  • Dokumentation: Hautzustand, Maßnahmen und Verlauf sind nachvollziehbar dokumentiert, das ist im Prüfungsfall Ihr Beleg.

Der häufigste Fehler: IAD als Dekubitus einordnen

In der Praxis wird die inkontinenzassoziierte Dermatitis immer wieder mit einem Dekubitus verwechselt. Die Unterscheidung ist fachlich und für die Prüfstatistik entscheidend: Ein Dekubitus entsteht durch Druck, meist über Knochenvorsprüngen. Eine IAD entsteht durch Feuchtigkeit und betrifft flächig die Kontaktareale. Wer eine IAD als Dekubitus dokumentiert, verschlechtert die eigenen Kennzahlen und behandelt am Problem vorbei, denn gegen IAD helfen Hautschutz und Kontinenzversorgung, nicht die Druckentlastung.

So gehen Sie die Umsetzung an

Bewährt hat sich ein dreistufiges Vorgehen: zuerst eine Bestandsaufnahme, welche Hautpflegeprodukte und Abläufe aktuell im Haus sind, dann eine schlanke Verfahrensanweisung nach dem Standard, zuletzt die Schulung des gesamten Teams samt Anpassung der Pflegedokumentation. Planen Sie die Fortbildung dazu fest in den Jahresfortbildungsplan ein, der Standard ist neu genug, dass der MD gezielt danach fragt.

Wir schulen Ihr Team zum Expertenstandard Hautintegrität. Inhouse oder online, fachlich auf Stand 2023, mit Teilnahmebescheinigung und Stundennachweis für MD und Heimaufsicht.

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